Aktuelles Update: 28.08.2026
Hier entsteht eine kleine Seite zu meiner Sammlung von Maschinen aus Ivrea, vom Hersteller Olivetti.
Der Hersteller ursprünglich rein mechanischer Schreibmaschinen, Olivetti, wurde 1908 von Camillo Olivetti mit der Vorstellung des gleich erfolgreichen Modells M1 gegründet und entwickelte sich bis in die 1980er Jahre hinein zum bedeutendsten Büromaschinenhersteller Europas. Dank des weltweit sehr erfolgreichen M24 PC war Olivetti zeitweise der zweitgrößte Hersteller von Personalcomputern der Welt. Dabei begann Olivetti bereits in den 1950er Jahren mit der Entwicklung elektronischer Rechner und erzielte 1965 mit der Programma 101, dem ersten „persönlichen Tischcomputer“, einen frühen Erfolg, der nicht zuletzt auch auf ihr außergewöhnliches Design zurückzuführen war.
Denn die Geräte waren nicht nur von guter Qualität, sondern taten sich aus der Masse der Mitbewerber auch durch schönes, zeitloses, elegantes Industriedesign hervor, welches von namhaften Industriedesignern wie Hans von Klier, Ettore Sottsass, Michele De Lucci und insbesondere Mario Bellini geprägt wurde. Einige dieser Entwürfe gelten bis heute als Ikonen des Industriedesigns und werden in renommierten Museen wie dem MoMA in New York oder dem GAM in Turin dauerhaft ausgestellt. Darüber hinaus war Olivetti bei neuen Technologien, Anwendungen und kreativen Entwicklungen stets ganz vorne dabei und seiner Zeit mitunter sogar (zu weit) voraus. Man kann Olivetti daher neben Braun als eines der wichtigsten Vorbilder für die Design- und Produktphilosophie ansehen, die heute mit Apple assoziiert wird.
Olivetti-Geräte waren auch unter den Markennamen Hermes (Schweiz, PCs, Tischrechner und Schreibmaschinen), Logabax (Frankreich, PCs, Schreibmaschinen), AT&T (Nordamerika, PCs), Xerox (Nordamerika, PCs), Memorex-Telex (Nordamerika, PCs), Digital Euipement Corp / DEC (Europa, Australien, PCs), Triumph-Adler (Europa mit Schwerpunkt Deutschland, PCs, Schreibmaschinen, Drucker), Underwood (Nordamerika, Europa, Schreibmaschinen), Commodore (Nordamerika, Europa, Drucker), Vobis (Deutschland, Drucker, Quaderno) und Anitech (Deutschland, Schreibmaschinen, Organizer und Drucker) erhältlich.
Außerdem zeichnete sich Olivetti als sehr sozialer Arbeitgeber aus, der sich auch kulturell sehr engagierte, zum Beispiel bei der Finanzierung von Restaurationen kulturhistorisch wertvollen Kunstwerken und Baudenkmälern, insbesondere natürlich in Italien. Leider begann in den 2000er Jahren der Abstieg fast in die Bedeutungslosigkeit, heute ist Olivetti eine Tochter der Telekom Italia, das Produktportfolio umfasst nur noch von Kyocera produzierte Multifunktionsdrucker, einige Kassensysteme und einige dazu passende Dienstleistungen im Dokumentenmanagement, gelegentlich auch mal den einen oder anderen PC, Notebook oder Tablet-PC als OEM-Produkt eines Fernostherstellers.
Von der einstigen Strahlkraft eines Unternehmens, das technologisch wie gestalterisch Maßstäbe setzte, ist heute leider kaum mehr als eine Erinnerung geblieben. Diese Sammlung ist auch ein Versuch, davon etwas zu bewahren, für mich, für jeden Besucher dieser Seite oder wer an seine Zeit mit einem Olivetti Gerät zurück denken kann oder selbst das eine oder andere Gerät dieses Herstellers in Ehren hält.
Ich habe einen sehr persönlichen Bezug zur Marke Olivetti, mit ihr begann meine Berufskarriere in der IT. In den 1980ern habe ich in Frankfurt-Niederad in den berühmten Olivetti-Türmen des Architekten Egon Eiermann meine Berufsausbildung im technischen Kundendienst machen können, dies ist über die vielen Jahre irgendwie hängen geblieben.
Tatsächlich erinnere ich mich sogar noch an meine CESIS Technikernummer, 12535, mit der man sich an dem L1 Terminal anmelden konnte, um Reparaturaufträge entgegen zu nehmen und abzurechnen, Ersatzteile zu bestellen oder Außeneinsätze bei den Kunden vorbereiten konnte.
Als ich vor etwa 20 Jahren im Rahmen meiner Sammlungsvervollständigung von ATARI-ST-Computern, noch so ein persönlicher und beruflicher Bezug, eher zufällig eine Olivetti ET 116 Büroschreibmaschine in die Hände bekam, erwachte das Interesse an Olivetti wieder... Der erstandene Mega ST, übrigens ein frühes Exemplar mit breitem Floppyknopf, 32 vergoldeten frühen 1MBit DRAM Chips und leerem Blitter-Sockel, stand zuhause erstmal unbeachtet in der Ecke, bis die ET 116 wieder funktionierte, was aber auch nur etwa 2 Stunden dauerte, ich wusste noch, was zu tun war...
Welchen bedeutenden Beitrag das Unternehmen zur Industriekultur und zum Produktdesign geleistet hat, war mir damals während der Ausbildung noch kaum bewusst. Zwar erschienen mir die Produkte schon damals im Vergleich zu vielen Wettbewerbern als besonders, doch erst mit der wachsenden Zahl von Geräten in meiner Sammlung und durch die intensive Beschäftigung mit Literatur und anderen Quellen habe ich diesen Zusammenhang in den letzten Jahren immer besser verstanden. Dabei habe ich auch entdeckt, dass Olivetti immer wieder seine eigenen Designs aus der Vergangenheit zitiert, einige Beispiele:
- Das Seitenprofil der Bildschirmschreibmaschine ETV 240 / 250 gleicht dem der älteren Büroschreibmaschine TES 401
- Die überwiegend aus Kunststoff gefertigte portable elektronische Schreibmaschine Praxis 100 wurde in den gleichen Blau- und Graubraun Farbtönen wie die legendäre mechanische Lettera 22 produziert. Auch die ETP 55/56 und ETC 65/66 verwenden diese Farben in neuer spielerischen Zusammenstellung
- Die eleganten weinroten Notebooks der Philos 4x Serie zitieren die Gummimembran-Tasten der beiden Designknaller Divisumma 18 und Divisumma 28 im Bereich des Mauspads.
- Die Keilform der frühen elektronischen Tischrechners Logos 55-60 wurde in allen Typenradschreibmaschinen und auch im Prodest-PC 1 und in den Bildschirmschreibmaschine CWP 1 und Editor 100 wieder verwendet.
Nur an ein Zitat der ikonischen knallroten mechanischen Schreibmaschine Valentine und Dora oder der als "Haus mit Balkon" darstellenden elektromechanischen Schreibmaschine Praxis 48 hat sich Olivetti später nicht mehr heran gewagt.
Auch bei den Produktbezeichnungen erinnerte sich Olivetti immer wieder an frühe Erfolge, so ließ man um 1999 mit der Editor 100 den Namen "Editor" der seit Mitte der 1960er sehr erfolgreichen elektromechanischen Büroschreibmaschine wieder aufleben. Die Praxis 48 bekam ab 1980 portable, elektronische Nachfolgemodelle. Auch das Modell "M20" gab es zwei Mal, ab 1920 als mechanische Büroschreibmaschine, ab 1978 als früher, nur zu sich selbst kompatibler PC. Es gab auch zwei "M40", zunächst wieder als Schreibmaschine, später als "L1 M40" Mehrbenutzer-Minicomputer. Auch der Personal Computer M24 von 1984 lebte Mitte der 1990er Jahre als Variante der M4 Modulo-Serie als "M24 New" nochmal auf.
Dies ist eine Dokumentation meiner Sammlung elektronischer Geräte aus dem Hause Olivetti, überwiegend aus dem Zeitraum von etwa 1975 bis 2000. Sie umfasst im Wesentlichen Schreibmaschinen, Bildschirmschreibmaschinen, Personal Computer, Drucker, Tisch- und Taschenrechner sowie die zugehörige Peripherie. Darunter befinden sich auch Geräte, die bereits zu ihrer Zeit nur selten anzutreffen waren und heute als äußerst rar gelten.
Soweit möglich, versuche ich, die Geräte wieder funktionsfähig zu machen. Der Zustand der Ersatzteilversorgung steht dem allerdings mitunter entgegen, zumal es das CESIS-System zur Ersatzteilbestellung schon lange nicht mehr gibt.
Aus Platzgründen ist die Sammlung nicht in Form eines Museums öffentlich zugänglich. Einzelne Stücke werden jedoch regelmäßig auf Ausstellungen vorgeführt und dort auch in Betrieb gezeigt.
Grüße,
1ST1